Kleider machen Leute

In dieser Aussage muss vermutlich etwas Wahres stecken, nicht umsonst ist die Novelle des Schweizer Schriftstellers, Gottfried Keller, auch noch heute aktuell. Kleider machen Leute, dies wird in der Novelle schnell deutlich, und auch, wie sich die Menschen schnell blenden lassen. Ist jemand gut gekleidet, so sieht man in ihm eine höher gestellte Persönlichkeit, ist er es nicht, so vermuten die Wenigsten, dass sich hinter der Fassade vielleicht doch eine Persönlichkeit stecken könnte. Die Kleidung sollte zwar eigentlich eine banale Äußerlichkeit darstellen, doch heute stuft man Menschen danach ein. Vielleicht könnte man sich damit entschuldigen, dass die Zeit für ein richtiges kennen lernen nicht mehr ausreicht und man deshalb einfach nach Äußerlichkeiten ausfiltert. Würde man zum Beispiel einem Bänker mit T-Shirt begegnen, so wäre man sicherlich etwas irritiert. Bauarbeiter, Fabrikarbeiter und Chiller tragen T-Shirts, aber bestimmt kein Bänker.

Ob man ihm dennoch eine Chance geben würde, lässt sich schwer sagen, aber eigentlich muss ein T-Shirt ja nicht gleich bedeuten, dass er keine Ahnung von seinem Geschäft hat, im Gegenteil, er könnte ein hervorragender Bänker sein, der es halt einfach lässig liebt. Sagen wir mal so, wenn man in die Bank geht, dann erwartet man eine gewisse Spießigkeit, denn man vertraut der Bank ja schließlich hart verdientes Geld an. Doch dass man sich nicht nur von Äußerlichkeiten blenden lassen sollte, zeigen die jüngsten Ereignisse der Wirtschaftskrise. Scheinbare seriöse Bänker, verkauften unseriöse Wertpapier. Man sieht, dass ein Erfolg nicht unbedingt von einer Krawatte abhängig ist, aber bestimmt auch nicht von einem T-Shirt.

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